Kapitel 5: Tequila auf Spanisch
- ru89ed
- 24. Aug. 2024
- 3 Min. Lesezeit
Rugged auf Reisen
24.08.2024
17:23 Uhr
Wetter: Leicht bewölkt, aber warm
Verehrtes Logbuch,
ich bin den Umständen entsprechend ziemlich zerknödelt, denn gestern sind wir wieder einmal in den Rum-Cola-Topf gefallen. Ich schätze, es wird langsam zur Tradition, dass wir einen Ort mit einem Knall verlassen.
Die zweite Woche in San Pedro verlief relativ ähnlich wie die erste. Täglich von 9 bis 12 Uhr besuchten wir Marias Maya Magic Spanish School und im Tree House wurde des Nachmittags oder Abends gelernt, sofern wir die Muse dafür aufbringen konnten. Aufgrund der doch sehr großen Informationsflut rauchten uns nach 2 Wochen die Köpfe und wir waren froh, als das Wochenende näher rückte. Ansonsten vertrieb ich mir die Zeit mit kreativen Arbeiten oder Siestas. Ich erstellte eine Homepage und brachte meinen Onlineauftritt auf Vordermann. Ich telefonierte mit Freunden, die zufälligerweise gerade mit ihrem Rückzug nach Ulm fertiggeworden waren. Ein Haufen weiterer Freunde waren daher ebenfalls anwesend, was eine freudige Überraschung war. Es war tatsächlich auch das erste Mal, dass ich ein leichtes Gefühl von Heimweh verspürte. Am Dienstag besuchten Comandante und Gallo San Juan, während ich mir im "Destroyer Nufos Gym" einen rauswuchtete. Nach 3 Wochen war es auch an der Zeit der Verwucherung entgegenzuwirken. Gallo übernahm die vertrauensvolle Aufgabe mir das Haupt zu scheren. Ein Stuhl wurde so unter dem Bartisch platziert, dass ein in der Ecke liegender, zerbrochener Spiegel durch eine Rille im Tisch darauf aufgestellt werden konnte. Der Undercut im Yuri-Boyka-Style war nicht perfekt, aber anständig. Ich konnte wieder das Haus verlassen. Am Donnerstag trafen wir uns mit David, Stephanie und ihrem Sohn, die wir in Antigua kennengelernt hatten, bei Smokin' Joes' BBQ. Donnerstags war Tacospecial. Dazu schlürften wir ein paar Cervezas. Natürlich im Pool, wie es sich für zivilisierte Borrachos schickt. Wir führten gute Gespräche und verbrachten eine sehr angenehmen Nachmittag, trieben es jedoch nicht zu bunt, da Comandante und Gallo für unseren letzten Schultag noch etwas lernen wollten. Aufgrund der Dulle im Gesicht enthielt ich mich und schaute lieber einen Film, erledigte jedoch brav meine Hausaufgaben.
Der Freitag kam und als der letzte Unterricht zu Ende ging, hieß es Abschied nehmen. Leider hatten wir nicht daran gedacht ein Geschenk für Maria zu besorgen. Beim gemeinsamen Weg zurück zur Hauptstraße ereilte mich jedoch ein wundervoller Einfall, der uns vor einem schlechten Gewissen bewahren könnte: Wir luden Maria und ihre Familie abends zum Essen im Pita Sabij ein, was sie dankend annahm. Und so geschah es auch. Leider hatte La Comandante mit Magenbeschwerden zu kämpfen, wodurch sie nicht an der Operation teilnehmen konnte. Gallo und ich trafen uns daher allein mit Maria, ihrer Tochter Anna, die Maria schon öfter von der Schule mit dem Roller abgeholt hatte, ihrem Sohn, der am nächsten Tag 13 Jahre wurde und ihrem Mann, der in derselben Woche einen schweren Unfall mit seinem Chickenbus erlitten hatte. Ihm war glücklicherweise nichts zugestoßen, was aufgrund des schweren Schadens des Buses an ein Wunder grenzte. Maria war froh, dass er mal wieder das Haus verließ, da er noch etwas traumatisiert war. Es wurde mächtig aufgetischt. Gallo und ich tranken einen Haufen Cuba Libres und Gallos. Natürlich nur, um Maria den Beweis zu liefern, dass wir in den Schulstunden nicht übertrieben hatten, als wir in zahlreichen spanischen Beispielsätzen von unserem Cervezakonsum prahlten. Sie belustigte das sehr und freute sich immer wieder über unsere Spitznamen. Die ein oder andere Runde Tequila rundete den Abend ab und alle waren ausgelassen und glücklich. Die Rechnung belief sich auf rund 1000 Q, die wir übernahmen. Gegen 22 Uhr machte sich Familie Mendez auf den Heimweg. Gallo und ich holten uns noch 2 weitere Cervezas, was wir erst an der Corner schlürften und dann auf dem Balkon eines Clubs. Keine halbe Stunde später machten wir uns jedoch ebenfalls auf den Heimweg und ließen den Abend mit tiefgründigen Gesprächen ausklingen.
Stromausfall... Mal wieder. Es ist nun halb 7 und gleich gibt es Essen. Ich muss dich mit dem Rest meines Berichts daher leider auf morgen vertrösten, liebes Logbuch. Sieh es mir nach. Hasta mañana.
Kommentare