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Kapitel 6: El Paraíso

  • Autorenbild: ru89ed
    ru89ed
  • 25. Aug. 2024
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 1. Sept. 2024

Rugged auf Reisen

25.08.2024

11:04 Uhr

Wetter: Sonnig, wie meistens



Buenas,



da bin ich wieder. Ich sitze im Garten des Mello Hostels. Heute ist der letzte Tag in diesem paradiesischen Ort und eigentlich ist es viel zu schade, um am Laptop zu sitzen. Möglicherweise muss ich den Eintrag später für einen Spaziergang am Strand unterbrechen.



An den letzten beiden Tagen in San Pedro hat sich nicht mehr viel zugetragen. Am Samstag schauen wir UFC 305. Ansonsten war ich wie so oft in meine Arbeiten vertieft und musste mich um ein paar Probleme mit der 2-Faktor-Authentifizierung kümmern. Am Samstagabend wäre noch eine Elektroparty gewesen, die wir aufgrund des Katers und des starken Regens jedoch sausen ließen. Das Shuttle nach El Paredón buchten wir für Montagmorgen um 9 Uhr. Die Fahrt sollte 4 Stunden dauern. Wir machten uns jedoch auf das Schlimmste gefasst.



Zu unserer Erleichterung verlief die Fahrt, bis auf eine Beinahekollision mit einer dummen Kuh, die uns hinter einer Kurve unbeeindruckt entgegenschlappte, jedoch ausgezeichnet. Die Temperatur stieg stetig an und pünktlich um 13 Uhr erreichten wir das 32°C heiße El Paredón oder von mir auch liebevoll El Paraíso genannt, denn das war es - das beschissene Paradies! Wir liefen durch den dreieckigen Eingang des von Deutschen gegründeten Mello Hostels und konnten unser Glück kaum fassen. Die bestens gepflegte Anlage war traumhaft und hatte massive Karibikvibes. Unsere erste Amtshandlung war, nachdem wir unser Gepäck im Tipi bzw. im Schlafsaal untergebracht hatten, uns einen gerechten Basil Smash reinzustellen. Ich aß zudem ein Gericht, das aus Nachos mit Tomatensoße bestand, was ausnahmsweise nur mittelmäßig und nicht repräsentativ für die sehr guten Leistungen der Küche war. Die Preise waren leider auch etwas happig, sodass wir uns einen Schlachtplan zur Schonung unseres Budgets überlegen mussten. Das Mitbringen von Essen war, bis auf 1-2 Dosen Bier, nicht gestattet. Wir kühlten uns im Pool ab und machten uns dann auf den Weg zum Strand, wo wir nach 3 Wochen in Guatemala endlich das Meer sahen. Aufgrund des Lavasteins war der feine Sandstrand beinahe schwarz. Das Wasser hatte angenehme 30°C und die Wellen waren ein Traum. Sie überragten mich fast um das Doppelte. Wir verbrachten eine gute Stunde im Wasser und überhörten die schrille Pfeife des Lifeguards, die uns auf die starke Strömung hinwies, die einen ins offene Meer hinauszuziehen versuchte. Auf einem der Warnschilder am Strand wurde man belehrt, dass man im Notfall zur Seite und nicht gegen die Strömung anschwimmen sollte.



Als es auf 19 Uhr zuging, bereiteten wir uns auf das Familiendinner vor, das mehrmals die Woche stattfand. Es war ein All-You-Can-Eat-Buffet, das ausgezeichnet war. Wir verluden mächtige Portionen und Gallo erhob sich prompt, als zum Nachschlagholen aufgerufen wurde. Paula, eine Madriderin, die seit 2 Monaten im Mello arbeitete, war die gute Seele des Hostels und hatte nach dem Essen einen Spieleabend organisiert, an dem wir partizipierten. Wir kamen ins Gespräch mit unseren Teammitgliedern Abbey und Bert und tranken eine gute Portion Alkohol. Ohne zu Übertreiben kann man behaupten, dass der Star des Abends Gallo war. Die ersten Runden waren Quizfragen, Songs erraten, etc. Dann ging es darum eine Geschichte aus den 4 Wörtern "Amusement Park", "Mother's best friend", "Dildo" und "Big surprise" zu bilden, die Gallo ohne sie niederzuschreiben freestyle vortrug, da sie etwas ausschweifend war. Kurzgesagt ging es darum, dass sich ein junger Herr den Dildo in den Arsch schob, um sich im Freizeitpark nicht einzustuhlen. Die nächste Aufgabe bestand darin am schnellsten ein Buch, eine Mütze und eine Socke zu beschaffen, womit im nächsten Schritt das beste Foto geschossen werden sollte. Wieder übernahm Gallo die Aufgabe, zog blank, stülpte Socken und Mütze über den Schaft und las dabei mit verstrubbelten Haaren das Buch. Das Foto war unschlagbar, was auch der Jury nicht entging. Team "Los Gallos" gewann letztlich das Spiel und wir empfingen dankbar den Preis von 5 Tequilashots. Das Unterhaltungsprogramm war gut, um Leute kennenzulernen. Am darauffolgenden Mittwoch partizipierten wir beim Wasservolleyballspielen im Pool und am Donnerstag am Bingo, wo wir Logan und Charie, ein Paar aus California, kennenlernten.



Am nächsten Tag trafen wir uns um 8 Uhr mit unseren Surflehrern vor der Rezeption. M*****, der sich später auch als unser Kokslieferant entpuppte, überreichte mir mein Surfboard und ab gings zum Strand, um die Wellen des Lebens zu reiten. Nach einer kurzen Dehneinheit und einer theoretischen Einführung am Strand ging es ins warme Nass und ich ritt wie ein junger Robby Naish die Olas. Das Ziel, gleich beim ersten Mal zu stehen, glückte, was mir den Spitznamen Ruggy Naish einbrachte. Gegen Ende war noch nicht mal die Hilfe von M***** nötig. Für die darauffolgenden 3 Tage liehen wir uns 2 Bretter aus, um auf eigene Faust surfen zu gehen. Unglücklicherweise machte ich den dummen Fehler eine Liegestützeneinheit mit Gallo einzubauen, was mir zwei lästige Tennisarme bescherten, welche meinem so vielversprechenden Karrierestart ein Ende bereiteten. Zudem kamen Verletzungen, wie einem aufgerissenen Finger, einem verdrehten Finger, einer Schürfwunde am Knie, ein paar zu vernachlässigenden Kratzern und eine leichte Sonnenallergie hinzu. Ich startete ein paar Versuche, musste jedoch nach keiner halben Stunde das Handtuch werfen und mich mit Schmerztabletten und Pferdesalbe versorgen. Ich ließ es mir jedoch nicht nehmen auch mal am Nachmittag aufs Brett zu steigen, wo aufgrund der extrem hohen Wellen auch die Profisurfer zu Gegend waren und ihre Skills zur Schau stellten. Gallo und ich scheiterten kläglich, feuerten uns aber immer wieder mit Shakas an. Ich nahm einem der Surfer die Vorfahrt und wurde dann nach einem ordentlichen Waschmaschinenschleudergang auf dem Arsch sitzend am Strand angespült.



Neben dem Surfen, gab es abgesehen vom Chillen nicht allzu viel zu tun. Wir verbrachten die Zeit am Strand oder im Hostel, aßen gelegentlich Pupusas in einem kleinen Kabuff für 25 Q oder unterhielten uns mit Leuten. Der Versuch etwas produktives zustande zu bringen scheiterte leider. Auch der Versuch so günstig wie möglich wegzukommen, konnte man am Ende des Tages als gescheitert betrachten, da keine Küche vorhanden war und wir ein Stück weit auf das Restaurant des Hostels angewiesen waren. Auch die hervorragenden Cocktails für 35 Q waren eine gefährliche Falle, in die wir nicht selten tappten. Ich kaufte mir jedoch einen Stullen Brot mit Nutella, den ich mir morgens am Strand vor dem Surfen verschmierte, um wenigstens eine Mahlzeit am Tag einzusparen. Um meinen Beachbody ein Stück weit auf Vordermann zu bringen, verzichtete ich zudem auf einige Mahlzeiten. Insgesamt kostete mich El Paredón schätzungsweise an die 500€.



Die letzten 2 Tage unseres Aufenthalts verbrachten wir mit Ausnüchtern, denn wie bereits erwähnt, gab es am Freitagabend ein stattliches Besäufnis. Das Mello Hostel veranstaltete eine Elektroparty, wo ein DJ-Paar aus Österreich ordentlichsten Tech-House auflegte. Um weitere Kosten zu sparen erwarben wir eine Pulle Rum mit Cola, den wir ins Hostel bootleggten und umgeben von sichtschützenden Palmen vor Comandates und Gallos Tipi zwickten. Ich war gerade dabei mir einen rauszushuffeln, als plötzlich ein deutschsprachiger Guatemalteke herkam und anfing von seinem Plan zu erzählen, in seiner Villa eine Party zu schmeißen. Es wäre ein Rießenareal und nur 20 Minuten entfernt, zu dem wir in seiner kugelsicheren Limo fahren könnten. Er würde für alles sorgen. Sein Opa und dessen Familie wäre nach dem 2. Weltkrieg aus Deutschland geflüchtet und seine Oma käme scheinbar aus Ulm. Dieser Teil der Geschichte schien jedoch tatsächlich zu stimmen, denn er erwähnte Ulm bevor wir sagten, dass wir von dort kamen. Er wäre sogar für 1 Jahr auf der Anna-Essinger gewesen. Nichtsdestotrotz schien uns die Geschichte nicht geheuer und daher blieben wir im Mello. Logan, Charie und unser Gespann tranken einen Haufen Tequila und zogen gegen 23 Uhr weiter zur Afterparty im Banana Club. Ehrlichgesagt war ich auch etwas verstimmt darüber, dass Larissa, eine Österreicherin mit einem stabilen Fahrgestell, die ich am Strand angesprochen hatte, mit einem anderen Typen auf der Party aufgetaucht war. Auf dem Weg dorthin legten wir einen Zwischenstopp auf einer weiteren, schlecht besuchten Party eines Hotels ein, wo wir ein Bierchen tranken und dann auf die besoffene Idee kamen im Meer Nacktbaden zu gehen. Natürlich war Gallo der Urheber der Idee, doch sie wurde begrüßt und prompt umgesetzt. Wir legten unsere Klamotten ab und wateten im Mondschein in die schwarze See, wo uns die Wellen romantisch an die Eier klatschten. Der Banana Club, war ein kleiner Technoschuppen, nicht weit von unserer 2. Location entfernt. Dort ergab es sich, dass Gallo interessehalber ein Gramm Koks von meinem besagten Surflehrer erwarb und wir verabreichten uns ein Näschen. Die Wirkung war überhaupt nicht mit dem Schnee in Deutschland zu vergleichen. Es erinnerte mich eher an Speed und war eine angenehme Überraschung. Im Banana Club trafen wir zudem einen Neuseelänger mit Namen John und Benni, ein Punker aus London, der uns später zu sich in seine Wohnung einlud, wo wir 2 bis 3 Stunden afterhourten, bis wir uns gegen 5 Uhr rabenzu auf den Heimweg machten. Was für eine Nacht es war, in El Paraíso.



Wir entschieden uns dazu das Surferparadies am Montag zu verlassen und ein Shuttle nach Santa Ana in El Salvador zu nehmen. Dort würden Comandante und Gallo 3 Nächte bleiben, bis sie vom nahegelegenen San Salvador ein Flugzeug nach Honduras nehmen würden, um auf der Insel Utila tauchen zu gehen. Aufgrund der hohen Kosten von Flug, Tauchkurs, etc. würde ich dieses Mal jedoch passen müssen. Unsere Wege sollten sich also für 2 Wochen trennen und in Nicaragua wieder zusammenführen. Ich bin gespannt darauf, wie es ist alleine zu reisen.



So, liebes Logbuch. Das waren die Erlebnisse der letzten Tage. Das nächste Mal werden wir uns vermutlich in El Salvador wieder sprechen. Ich werde versuchen dir regelmäßiger zu schreiben. Bis bald.a

 
 
 

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